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Wie Plattformen das Bankgeschäft in Europa neu ordnen

Mit der 2025 eingeführten DORA-Verordnung trat eine der umfangreichsten Regulierungen im europäischen Finanzsektor auf den Plan. Die Regelung setzt klare Standards für Cybersicherheit und betriebliche Resilienz für Banken, Zahlungsdienstleister und IT-Firmen. Klingt erstmal alles sehr technisch, doch in der Praxis wirkt sich DORA auf Geschäftsmodelle aus. Und zwar nicht nur auf die von Banken oder klassischen FinTechs. Denn Finanzdienstleistungen entstehen heute nicht mehr nur in Bankfilialen oder über das Onlinebanking. Sie entstehen dort, wo Menschen shoppen, sparen, verreisen oder digitale Unterhaltung konsumieren.

Zahlungsabwicklung läuft zunehmend über digitale Ökosysteme

Im Jahr 2022 fanden 59 Prozent aller Zahlungen im Euroraum bereits ganz oder teilweise elektronisch statt. Kredit- und Debitkarten sowie digitale Wallets haben an Bedeutung gewonnen, vor allem bei Online-Zahlungen.

Das klingt auf den ersten Blick so, als ob die Menschen einfach nur zunehmend auf Karten statt auf Bargeld zurückgreifen. Tatsächlich ist es eine tiefgreifende Veränderung, wer in der Wirtschaftskette das Sagen hat.

Wenn Sie heute in einer App etwas bestellen, dann zahlen Sie meistens nicht etwa direkt über das Onlinebanking Ihrer Bank, sondern die Zahlung läuft automatisch und nahtlos über das System, in dem Sie sich gerade befinden. Amazon Pay, Apple Pay oder die in den Warenkorb- bzw. Bezahlprozess von Plattformen wie Zalando, Booking.com oder Lieferando integrierten Sofort- oder Ratenzahlungslösungen sind in solcher Hinsicht mehr als nur Zahlungsmittel, sie werden selbst zu Infrastrukturen im Zahlungsverkehr.

Die Banken rücken dabei in den Hintergrund. An der Oberfläche bleibt das Ökosystem bzw. Plattform. Schon früh gehörte die iGaming-Branche zu den Vorreitern darin, eWallets fester Bestandteil ihrer Zahlungsprozesse zu machen: Bereits Mitte der 2010er Jahre setzten Anbieter von Blackjack Online & Co. auf Skrill, Neteller oder Trustly, um Ein- und Auszahlungen in Echtzeit zu ermöglichen. Inzwischen laufen die Zahlungen in vielen europäischen iGaming-Märkten über Instant-Banking-Schnittstellen, bei denen die Bankkonten der Spieler direkt eingebunden werden.

Adyen und die stille Macht der Schnittstelle

Ein anschauliches Praxisbeispiel dafür ist der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen. Das Unternehmen veröffentlichte im Februar 2024 seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2023. Adyen wickelte demnach Zahlungen mit einem Gesamtvolumen von 970 Milliarden Euro ab. Bei dieser Zahl handelt es sich nicht um den Umsatz von Adyen, sondern das Volumen der Zahlungen, die weltweit über die Infrastruktur von Adyen abgewickelt wurden.

Adyen arbeitet u.a. mit internationalen Handelsketten wie H&M, Spotify oder eBay zusammen. Online- wie Offline-Zahlungen laufen dabei über dieselbe technische Plattform. Händler erhalten so konsolidierte Daten über das Kaufverhalten, die bevorzugten Zahlungsmittel und mögliche Betrugsversuche.

Finanzabwicklung wird datengetrieben und die Entscheidung, ob eine Zahlung ausgeführt wird, liegt nicht mehr allein bei den Banken. Denn das Unternehmen, das die Schnittstelle kontrolliert, hat immer ein Wörtchen mitzureden.

Regulierung verschiebt Verantwortlichkeiten

Mit der Ausweitung solcher Modelle wächst die regulatorische Verantwortung außerhalb klassischer Banken. DORA verpflichtet seit Januar 2025 nicht nur Kreditinstitute, sondern auch relevante IKT-Dienstleister zu dokumentierten Sicherheits- und Notfallprozessen.

Parallel dazu veröffentlichte die Europäische Kommission im Juni 2023 ihren Vorschlag für die Financial Data Access Regulation. Der Entwurf zielt darauf ab, den Zugang zu Finanzdaten über die bisherige PSD2-Richtlinie hinaus zu erweitern. Versicherungs- und Anlageprodukte sollen perspektivisch in standardisierte Schnittstellen überführt werden.

Das eröffnet Plattformen neue Möglichkeiten. Gleichzeitig erhöht es die Komplexität. Wer Finanzdaten nutzt, trägt Mitverantwortung für deren Schutz.

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde legte im September 2023 ihren Bericht zu Zahlungsbetrug für das Jahr 2022 vor. Demnach belief sich der Kartenbetrug im Europäischen Wirtschaftsraum auf 4,3 Milliarden Euro. Ein Großteil entfiel auf Online-Transaktionen ohne physische Kartenpräsenz. Mit jeder zusätzlichen Integration steigt das Risiko.

Banking-as-a-Service und die Lizenzfrage

Ein weiteres Element ist Banking-as-a-Service. Unternehmen wie Solaris in Deutschland stellen Banklizenzen und regulatorische Infrastruktur bereit, während Plattformen eigene Karten oder Konten unter ihrer Marke ausgeben.

Der Kunde sieht die Marke der Plattform. Die Lizenz liegt bei einem Partnerinstitut. Trade Republic erhielt 2023 eine Vollbanklizenz der Europäischen Zentralbank. Kurz darauf führte das Unternehmen Girokontofunktionen ein und verzinste Kundeneinlagen. Brokerage und Zahlungsverkehr verschmelzen in einer App.

Solche Modelle zeigen, dass Finanzdienstleistungen nicht mehr klar zwischen Bank und Nicht-Bank zu trennen sind.

Wettbewerb verlagert sich auf Daten und Nutzerzugang

Die zentrale Ressource ist nicht Kapital. Es sind Daten.

Wer Transaktionen verarbeitet, kennt Kaufverhalten, Wiederholungskäufe und Ausfallwahrscheinlichkeiten. Diese Informationen fließen in Risikomodelle, Marketingentscheidungen und Produktentwicklung ein.

Große Plattformen besitzen hier strukturelle Vorteile. Sie verfügen über Millionen aktive Nutzer und können Finanzprodukte unmittelbar skalieren.

Kleinere Anbieter greifen auf modulare Lösungen zurück. Stripe etwa bietet in mehreren europäischen Ländern eingebettete Finanzierungsangebote für Händler an. Die Kreditprüfung basiert auf den über Stripe abgewickelten Umsätzen. Das Risiko wird algorithmisch bewertet.

2026 und die neue Rolle der Bank

Die Rolle der Bank verschiebt sich damit nicht ins Abseits. Sie verschiebt sich in die Infrastruktur. Institute stellen Liquidität, Regulierungskompetenz und Risikomanagement bereit. Die Kundenschnittstelle jedoch liegt zunehmend bei Plattformen, Marktplätzen und spezialisierten Apps. Dieser Prozess ist kein abruptes Ereignis. Er ist das Ergebnis technischer Integration, regulatorischer Öffnung und veränderter Nutzergewohnheiten.

Zahlungsprozesse bleiben nicht länger ein isolierter Schritt am Ende einer Transaktion. Sie werden Teil des Produkts selbst.

Und wer das Produkt kontrolliert, kontrolliert den Zugang zu Finanzdienstleistungen.

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